EHC Oensingen-Schweiz 2009

Trotz der eher bescheidenen Wettervorhersage mit Sturm und Dauerregen machte ich mich auf den Weg nach Oensingen in der Schweiz. Auf dem Programm der EHC Veranstaltung stand als 4. EHC-Rennen ein Road Race und als 5. EHC-Rennen ein Time Trail. Schon bei der Ankunft am Vortag war das Wetter exzellent - 20°C und Sonnenschein mit ein wenig Wind, wo ich noch der Hoffnung war dass der bis morgen ausgeblasen hatte.

 

Nach einer Nacht mit wenig Schlaf  machte ich mich gegen 11 Uhr auf den Weg ins 20 Kilometer entfernte Oensingen um die Startunterlagen, für das um 16:30 Uhr stattfindende Rennen, abzuholen. Ich verbrachte die Zeit mit einem kleinen Mittagessen mit einem ehemaligen Teamkollegen und seiner Frau. Danach hielten wir Smalltalk mit anderen Sportlern und machten uns auf den Weg um die Bikes aufzubauen. Gegen 15 Uhr legten wir uns in die Bikes zum ausgiebigen warm fahren. Jetzt merkte ich schnell dass der Wind von gestern nicht ausgeblasen hatte, sondern noch drauf gelegt hatte. Jetzt kam mir eine ebene Strecke vor wie ein nicht enden wollender Berg und Steigungen waren schon genug auf der Strecke. Pünktlich stellten wir uns in die Startaufstellung um 5 Runden a 14 Kilometer zu bewältigen, es war das erste Rennen für mich welches über 70 Kilometer lief.

Um 16:30 Uhr wurden die C Fahrer gestartet und 2 oder 3 Minuten später, ich weis es schon nicht mehr so genau, starteten wir die B-Fahrer. Schon kurz nach dem Start hatten wir Geschwindigkeiten von fast 50 Stundenkilometer drauf, die Gruppe hielt gut zusammen und ich war gar nicht so weit von der Spitze weg. Doch dann kam die erste Steigung und die Top Fahrer zogen auf und davon, leider auch mein Teamkollege Hans-Albert Werkmann. Jetzt hieß es kämpfen um ihn wieder einzuholen, um mit ihm für eine gute Zeit zusammen zu arbeiten. Der Wind machte uns schwer zu schaffen, auf der Gegengeraden von Start und Ziel blies er genau von vorne und du sahst jedem die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Jetzt noch einen langen Anstieg, eine kleine Abfahrt, eine Rechtskurve und die erste von 5 Runden war geschafft. So richtig konnte ich mich mit dem Gedanken nicht anfreunden, mir das noch 4-mal anzutun. Kurz nach der Zieldurchfahrt sah ich meinen Teamkollegen im auffallenden gelben Trikot, ein wenig beißen und ich hatte ihn eingeholt. Jetzt hatten wir eine 6-köpfige Gruppe die einigermaßen funktionierte. Wir wechselten uns regelmäßig ab, wobei manche Fahrer sehr schnell wieder aus der Führungsposition raus fuhren und wieder den Windschatten suchten. Zwei Runden weiter verloren wir leider Hans-Albert, wie sich später herausstellte hatte sein Hinterrad einen schleichenden Plattfuß. In der letzten Runde waren ich und die verbleibenden 4 Sportler so kraftlos dass irgendwie niemand mehr die Führungsposition übernehmen wollte. Auf der letzten Gegengeraden rissen 2 Fahrer der Gruppe aus, ich hatte leider nichts mehr in den Armen um dabei gegenzuhalten und ließ sie ziehen. Jetzt waren wir nur noch zu Zweit und wir hatten nur noch einen Anstieg und dann war mein erstes Rennen über 70 Kilometer geschafft. Auf der Mitte des Anstieges sah ich einen der zuvor ausgerissenen Fahrer und dachte mir den musst du zum Abschluss noch holen, also die letzten Energiereserven mussten dran glauben. Immerhin im Ziel hatte ich eine zehntel Sekunde Vorsprung und war froh dass diese Tortur für mich ein Ende hatte. Ich beendete das Rennen mit einer Zeit von 2:24:34,8 und war nicht ganz so zufrieden.

Am nächsten Tag stand  noch der Time Trail auf dem Programm und da sollte es hoffentlich besser laufen.

In der nächsten Nacht schlief ich wie ein Toter, mein Wecker riss mich um 8:30 Uhr aus dem Schlaf und schnell merkte ich dass meine Schultern und meine Arme ein wenig schmerzten. War wohl am Vortag doch ein wenig zuviel gewesen. Da müssen wir alle durch, dachte ich und ging unter die Dusche. Da der Time Trail erst um 18 Uhr stattfand konnte ich es mir im Hotelzimmer gemütlich machen den ganzen Tag im Fernsehprogramm zappen. Gegen 15 Uhr machte ich mich auf den Weg in das ca. 50 Kilometer entferne Rocherswil um die Startunterlagen zu holen. Schnell merkte ich, dass es bei der Startaufstellung einige Unstimmigkeiten gab und die deutschen Athleten nicht starten wollten, wenn die Startaufstellung nicht geändert würde. Die Verantwortlichen hatten für das Zeitfahren alle Wertungsgruppen durcheinander aufgestellt und mit dieser Aufstellung konnte es schnell zu Unfällen kommen wenn zum Beispiel ein langsamer A-Fahrer direkt vor einem schnellen C- oder B Fahrer startete. Die Strecke war in einigen Kurven sehr eng und erlaubte dort keine Überholmanöver oder bot Ausweichmöglichkeiten. Nach gefühlten 1,5 Stunden gab es eine neue Aufstellung und alles war gut. Die B-Fahrer bekamen 18:20 Uhr als Startzeit genannt und wir konnten uns nun beruhigt auf den Lauf vorbereiten. Ich kannte die Strecke nur vom Papier, ich hatte mir ein Abfahren der Strecke am Nachmittag gespart und mich lieber ausgeruht. Ein fataler Fehler wie sich später herausstellte.

Alle 30 Sekunden startete ein neuer Athlet sein Einzelzeitfahren auf der 10 Kilometer langen Strecke und auch ich war gleich dran. Nun hieß es 5,4,3,2,1, go und ab ging die Post. Der Start verlief gut, ich konnte gleich gut Tempo machen und rein in die erste Kurve. Auf dem Papier war die zweite Kurve noch ein wenig entfernt doch hier ging es gleich wieder rum und ich war wohl zu schnell oder hatte die Kurve falsch angelenkt, jedenfalls war mein Bike schnell auf 2 Rädern und drohte umzukippen. Also bremsen und wenn das Bike wieder Bodenkontakt hat neu beschleunigen. Jetzt musste ich mich besser konzentrieren und hätte mich nicht schon gleich der Österreicher Manfred Putz überholt hätte ich das Gefühl gehabt einigermaßen schnell zu sein. Schon bald kam die Steigung von der alle gesprochen hatten, ich konnte den vor mir gestarteten Österreicher Peter Traussnig arbeiten sehen. Schnell hatte ich die Steigung erreicht und stellte selbst fest dass es hier doch schon ganz schön hoch ging, fast hätte ich auch noch das Kettenblatt wechseln müssen um die Kuppe zu erreichen. Ich hatte leider das Pech dass sich hinter mir doch wesentlich schneller Fahrer befanden und so dauerte es nicht mehr lange bis mich der nächste überholte. Jetzt war es genug dachte ich mir und sammelte die letzten Kräfte und kurbelte dem Schweizer im Abstand von 10-15 Metern hinterher. Er hatte sich die Strecke vorher wohl angeschaut und wusste genau welche Linie er in den Kurven nehmen musste und somit profitierte ich davon, dass er mich vorher überholte. Meine Zeit betrug bei der Zieldurchfahrt 00:18:54 und hiermit war ich zufrieden.

Fazit: Bei Durchschnittswerten um die 20°C hatte ich zwei sehr schöne Rennen in einer sehr schönen Umgebung mit viel Wind am ersten Tag.  Der Wetterdienst hat eben nicht immer Recht.

 

Fotos EHC Oensingen-Schweiz 2009