EHC-Rennen Al-Ain VAE 2009

Mein erstes Abenteuer in der Wüste

27.02.2009 - 22:30 Uhr mit Condor von Frankfurt  nach Dubai nach einem 7-stündigen Flug, mit zum Teil sehr genervten und manchmal auch sehr unverschämten Fluggästen, kamen wir morgens 7:30 Ortszeit in Dubai an. 30°C um diese Uhrzeit kaum vorstellbar doch hier war es Wirklichkeit, Jacke aus und raus aus dem Flieger. Der Transfer zu unseren Chalets in der Nähe von Al-Ain verlief reibungslos, nicht so die Einquartierung. Zuerst wurden wir in Chaletnummer 403 mit dem Hinweis dass wir in 15-30 Minuten umquartiert werden abgesetzt. Nach elend langen 30 Minuten die auf der Uhr doch 5 Stunden ausmachten wurden wir 3, Katja, Michael und meine Wenigkeit in Chalet 406 verlegt. Keinem war aufgefallen das wir eine Frau und zwei Männer waren und keiner der beiden Jungs mit der Frau leiert war. Was soll’s 2 Schlafzimmer und zwei Toiletten im Chalet kann man schön nach Männlein und Weiblein teilen. Die wenige Zeit am Abend verbrachten wir mit dem Aufbau unserer Bikes.

01.03.2009 – 07:00 Uhr zeitig aufgestanden ging es am nächsten Morgen zum Frühstück in das eigens dafür aufgebaute riesige klimatisierte Beduinenzelt. Leider war die Auswahl an Essbarem nicht so groß wie es das Zelt versprach, aber jeder wurde irgendwie satt. Um 9 Uhr ging es pünktlich in Begleitung eines Zivil- und einem Polizeifahrzeug zur ersten Trainingsausfahrt in die Wüste. Mit dabei ein mehr oder weniger starke Priese Wind mit viel Sand im Gepäck. Die erste Ausfahrt kam mehr einem professionellen Sandstrahlen gleich und dennoch schafften wir die ersten 35 km. Nach der ersten Tour musste man sich im Beduinenzelt mit einem Mittagessen stärken. Am Nachmittag folgte die nächste Trainingeinheit, der Wind hatte sich ein wenig gelegt und wir konnten die Atemberaubende Kulisse der Wüste anschauen. Wer noch nie diese Kulisse gesehen hat, so wie ich, kommt aus dem Staunen nicht raus und vergisst zu oft den Mund zu schließen. Am Abend hat man die Zähne schön sauber, denn der viele Sand reibt ganz schön. Beim Nachmittagstraining standen 45 km auf der Uhr und so ging es zur wohlverdienten Säuberung ins Chalet zurück. Am Abend gingen wir zum Essen und für ein wenig Smalltalk mit den anderen Athleten ins Zelt. Bei mir schlich sich nach so vielen neuen Eindrücken doch ganz schön die Müdigkeit ein und ich verabschiedete mich vom ersten atemberaubenden Tag in der Wüste.

02.03.2009 – 07:00 Uhr da es sich hier für uns um ein Trainingslager vor den Rennen am nächsten Wochenende handeln sollte gestaltete sich die folgenden Tage fast immer gleich. Morgens eine ruhige Einheit und am Nachmittag eine etwas strammer gefahrene Einheit. Schnell merkte ich dass sich mein 2-wöchiges Trainingslager im Januar auf Lanzarote und die 1250 km auf der Rolle doch gelohnt hatten. Mein Pulsbereich lag auch bei den härter gefahrenen Trainingseinheiten noch im grünen Bereich. Gute Vorraussetzungen für das Wochenende.

03.03.2009 – 07:00 Uhr auch an diesem Tag gab es die morgendliche Einheit mit dem einen Unterschied dass der ein oder andere Athlet über Magenprobleme berichtete und die Trainingeinheit mit einem Sprint ins heimische Chalet beendete um sich zu erleichtern. Ich wurde zum Glück verschont und konnte am Nachmittag zusammen mit Katja im Taxi in die so genannte Jimmy Mal, einem Einkaufzentrum von Al-Ain fahren. Hier holten wir uns einen echten Kaffee und genossen es uns die Leute im gut besuchten Zentrum anzuschauen, Schnell merkten wir dass nicht nur wir uns die anwesenden Leute anschauten sondern dass auch wir von den Menschen hier genau beobachtet wurden. "Europäer im Rollstuhl waren halt auch hier eine Attraktion für die Einheimischen." Auch dieser Tag fand Dank der vielen Eindrücke viel zu schnell sein Ende.

04.03.2009 – 07:00 Uhr das Wochenende rückte näher und heute sollten meine zwei letzten Trainingseinheiten vorm Straßenrennen am Freitag stattfinden. Ich schaute nun auch mehr und mehr nach den Konkurrenten und musste feststellen dass doch sehr viele hochkarätige Starter im Feld waren und ich rechnete mir nicht allzu große Chancen ein. Ich spulte beim Vormittagstraining 58 km und beim Nachmittagstraining 56 km ab um am Abend mit einem guten Gefühl zu Bett zu gehen.

05.03.2009 – 07:00 Uhr trotz des freien Trainingstages hieß es früh aufzustehen um nicht das mittlerweile gut schmeckende Frühstück zu verpassen. Den Vormittag verbrachte ich mit Warten auf die sportärztliche Klassifizierung. Ich hatte für die nationalen Rennen schon eine, aber da es sich hier um internationale Rennen handelte musste diese Untersuchung wiederholt werden. Danach ging es zum Faulenzen, ein wenig surfen im Internet und telefonieren mit der Heimat – das telefonieren mit dem Handy kann ich übrigens niemandem empfehlen, ist echt sauteuer. Nach dem Mittagessen bereiteten wir uns auf die technische Abnahme der Bikes vor. Keiner wusste genau auf was es die Organisatoren des Radsport-Weltverbandes (UCI) mit dem extra aus China angereisten Kontrolleur abgesehen hatte. Die ersten Bikes mussten nachgearbeitet und teilweise verändert werden. Bei meinem eigenen Bike hatte das Kontrollteam zum Glück nicht zu beanstanden. Jetzt hieß es nur abzuwarten ob die Bikes auch ordentlich auf LKW’S verladen werden, um pünktlich und ohne Beschädigung am 20 km entfernten Start für das morgige Rennen ankommen.

06.03.2009 – 05:45 Uhr total aufgeregt konnte ich heute leider beim Frühstück keinen Bissen runterkriegen und musste mit leerem Magen mit in den Bus der uns zum Start brachte. Über 60 Athleten aus 15 Nationen standen am Start des ersten Rennens vom Al-Ain-International Wheelchair Meetings in Al-Ain in der Wüste des Emirats Abu Dhabi und ich mittendrin – einfach fantastisch. Mit einem guten Start konnte ich mit in der ersten Gruppe der B-Fahrer  eine zeitlang mitfahren, diese erhöhten jedoch sehr zeitig das Tempo und eine 3er Gruppe mit Winni, Freddy und mir splitterte ab. Schnell erkannten wir hinter uns einen belgischen Fahrer der das Windschatten fahren zu seinen 2 Vornahmen machte. Mich regte dieser Fahrer so auf das ich mich nicht mehr auf das Rennen konzentrieren konnte und mich zurückfallen lassen musste. Nun konnte ich beruhigt mein Rennen zu Ende fahren und landete mit etwas Rückstand auf  dem 13. Platz. Mein belgischer Freund konnte Winni und Freddy natürlich kurz vor Ende des Rennens noch überholen – kein Wunder wenn man sich auf den 42 km zuvor im Windschatten gut erholt. Nach dem Rennen wurden die Bikes verladen und für uns ging es mit dem Bus zurück in unsere Chaletanlage.
Am Nachmittag fuhren Freddy, Michael und ich zum Relaxen mit dem Taxi ins Einkaufszentrum. 3 Rollis sind natürlich für die Einheimischen noch viel interessanter  und vor allem wenn Freddy das ein oder andere Kunststück im Rolli vorführt. Nach ein oder zwei Stunden extremem Relaxen im bequemen Couchsessel eines arabischen Kaffeehauses machten wir uns mit dem gleichen Taxis auf den Heimweg. Nach der Ankunft gab es eine Überraschung vom Taxifahrer, der Preis war zu der Fahrt zusammen mit Katja auf das doppelte gestiegen. Nach einer mehr oder weniger lauten Diskussionsrunde beteiligte sich nun auch noch der Verwalter der Chaletanlage. Am Vortag hatte er uns noch erzählt wie man es mit rabiaten Taxifahrern aufnimmt und einfach mal nach der Polizei fragt und heute unterstützt der Gute auch noch den Taxifahrer - arabische Logik. Freddy, Michael und ich entfernten uns langsam vom Ort des Geschehens um so ein wenig Ruhe ins Geschehen zu bringen und siehe da es funktionierte. Ein letztes Fragen des Taxifahrers ob man nicht mehr bezahlen möchte und der Taxifahrer fuhr zurück zur Zentrale. Der Tag des Straßenrennens neigte sich dem Ende und die Nervosität für den nächsten Renntages schlich sich ein.

07.03.2009 – 05:45 Uhr heute ging es zur Kombination, diese setzt sich zusammen aus dem Einzelzeitfahren über 15 km und dem Kriterium über 1 Stunden plus 1 Runde.
Heute musste ich beim Einzelzeitfahren zeigen was ich drauf hatte. Ich wollte auf der 15 km langen Strecke alles geben und erhoffte mir eine gute Zeit. Am Start hieß es 5, 4, 3, 2, 1, Go und ab ging die Post. Der 30 Sekunden vor mir gestartete Fahrer war Robert, ihn kannte ich aus New York und ich wusste den kann ich holen. Kurz nach dem ersten Kreisel war es geschafft und ich dachte mir den nächsten auch noch und so kam ich in den Genuss immer wieder einen Fahrer vor mir zu haben. Auf der 15 km langen Strecke konnte ich 5 Fahrer überholen und landete somit mit einer Zeit von 27:07,45 auf dem 9.Platz, das bedeutet für mich dass ich einen Schnitt von 33,25 km/h gefahren bin, mein bestes Ergebnis beim Einzelzeitfahren.
Nach dem Rennen ging es mit dem Bus zurück zur Chaletanlage, kurz was essen um den Kohlehydrathaushalt aufzufrischen um beim Kriterium am Nachmittag wieder fit zu sein.
Die Strecke für das Kriterium ist ein 2, 2 Kilometer Kurs mit zwei Kreisverkehren als Wendepunkt. Der Start verlief äußerst gut für mich, wieder konnte ich in der Führungsgruppe meiner Klasse mitfahren. Auch die Attacken in jeder Runde im Bereich von Start und Ziel konnte ich im Windschatten gut mitfahren. Wenn da nicht der eine etwas engere Kreisverkehr gewesen wäre. Hier verlor ich immer wieder wichtige Meter und musste auf der anschließenden Geraden versuchen aufzuholen. In Runde 7 oder 8 hatte ich eine Kollision mit einem Mitstreiter einer anderen Klasse und verlor kurzzeitig die Kontrolle über mein Bike. Durch den kleinen Zwischenfall hatte ich nun wichtige Meter verloren und konnte leider nur noch hinterherfahren und am Ende den 12. Platz belegen.
Am Abend ging es mit der ganzen Truppe mit dem Bus zum Museum in Al-Ain. Hier hatte man für uns eine Kulisse wie Tausend und eine Nacht geschaffen. Im Innenhof hatte man für die Sportler Tische gedeckt, auf denen ein feudales Abendessen serviert wurde. Die Feier wurde von Arabischen Klängen mit Gesang und Tanz  begleitet und anschließend kam es zur Siegerehrung des Straßenrennens. Mit voll geschlagenem Magen ging es im Bus zurück in unsere Schlafstädte.
Für mich endete ein erfolgreicher Tag mit dem 10.Platz in der Kombination.

08.03.2009 – 05:45 Uhr Hafeet ruft. Heute steht ein Bergrennen von 12 km und fast 800 Höhenmetern auf dem Plan. Alle die diesen Berg schon einmal bezwungen hatten rieten mir aufgrund meines Gewichtes vom Start ab. Ich dachte mir wer nicht startet hat schon verloren und deshalb stellte ich mich bei 40°C mit in der Startreihe auf. Mein Freund Freddy und ich hatten beschlossen zusammen den Berg tz bezwingen. Am Anfang, so die ersten 2 km dachte ich mir noch wie locker es doch sei und das die anderen Fahrer mir nur Angst machen wollten. Aber dann kam die erste Steigung mit 11%, jeder der schon mal auf dem Rad gesessen hat weis was 11% bedeuten. Da musste ich jetzt durch, aufgeben kam nicht in Frage. Wir schlängelten uns so die Meter rauf und die ersten Schmerzen erreichten meine Schultern und die Frage stellte sich erneut. Aufgeben – Freddy gab mir als Anweisung ein klares NEIN - du fährst weiter. Auf gute Freunde hört man und so motivierte er mich bis ganz nach oben. Für die letzten 100 Meter zeigten wir den Zuschauern einen Zielsprint und Freddy konnte mit 1 sec Vorsprung das Rennen beenden. Das ich überhaupt oben angekommen bin verdanke ich meinem Freund Freddy, ohne ihn hätte ich bei km 7 danke gesagt und wäre mit dem Besenwagen weitergefahren.
Dieser Tag endet für mich sehr Müde mit dem Gedanken es trotz der Gegenstimmen geschafft zu haben.

09.03.2009 – 08:30 Uhr verschlafen. Mein Chalet ist leer, die beiden anderen sind alleine zum Frühstück gegangen und haben mich weiterpennen lassen. Danke an dieser Stelle, mein Körper hat es nach den gestrigen Strapazen gebraucht. Heute heißt es Bike verpacken, Koffer packen und langsam Abschied von der Wüste nehmen. Ein letztes Mal in das Einkaufzentrum um die letzten Diham auszugeben, ein letztes Mal mit dem Taxifahrer um das Taxigeld streiten und genervt dass zu bezahlen was er verlangt. Ein letztes Mal im Beduinenzelt gemeinsam das nicht immer reichhaltige Buffet zu belächeln. Ein letztes Mal mit Michael im Ehebett nächtigen und um 3 Uhr im Bus nach Dubai zu fahren.

10.03.2009 – 09:25 Uhr unser Flug sollte zurück nach Frankfurt starten. Die Maschine aus Goa hatte 2 Stunden Verspätung, vielleicht wegen der vielen Alt-Hippies an Bord? Aufgrund der vielen Rollifahrer, die noch einsteigen mussten, verzögerte sich der Start widerum um fast 1 Stunde. Hinzu kam nun auch noch ein Zwischenstop in Bulgarien um Sprit nachzutanken. Mit fast 3,5 Stunden Verspätung landeten wir in Frankfurt.

10.03.2009 – 19:30 Uhr bei 1°C und Schneefall zu Hause angekommen.
Wenn man mich während des Fluges gefragt hätte – im nächsten Jahr wieder nach Al-Ain – müsste ich nein sagen. Jetzt mit ein wenig Anstand habe ich die negativen Seiten schon fast vergessen und antworte – Al-Ain, ich komme wieder.

Fotos EHC-Veranstalltung Al-Ain VAE 2009