EHC Rennen Louny Tschechische Republik 2009
Louny - eine Reise wert?
Der Weg führte mich Richtung Tschechei um am vorletzten EHC Rennen für die 2009er Saison in Louny teilzunehmen. Mein Hotel, welches die Frau eines befreundeten Athleten gebucht hatte, befand sich grenznah auf der deutschen Seite. Ich war dort mit ihm verabredet um dass wir uns die Rennstrecke noch am Vorabend des Rennens genauer ansehen konnten. Die ca. 50 Kilometer lange Fahrt dort hin führte uns durch eine traumhafte Landschaft mit wunderschönen Ausblicken. Hier gab es für jeden Sport das richtige Angebot, im Winter ein riesiges Skigebiet und im Sommer Bike- und Wandertouren auf den zahlreichen ausgeschilderten Wegen, auch über die Landesgrenze hinweg. Nachdem wir in Louny angekommen waren holten wir unsere Startunterlagen ab und ließen uns auf einer Straßenkarte die Strecke des morgigen Einzelzeitfahrens und des am Abend stattfindenden Criteriums zeigen. Die Streckenführung hatte einige Anstiege und auch einige, wie sich später herausstellte, nicht zu unterschätzenden Kurven zu bieten. Zurück im Hotel konnten wir uns noch an einem vorzüglichen Abendessen satt essen und nach ein wenig Smalltalk ging es ab zu Bett, denn am nächsten Tag hieß es früh raus und fit für die beiden Rennen zu sein.
Für das Einzelzeitfahren standen feste Uhrzeiten für den Start der einzelnen Athleten fest. Um 10 Uhr durfte der erste der 119 Athleten und Athletinnen aus 19 Nationen an den Start, der 15 km langen Strecke, gehen. Meine Startzeit war 10:36:30 Uhr und ich war ganz schön nervös, denn ich hatte mir einiges vorgenommen. Um kurz nach 9 Uhr setzte ich mich ins Bike um meinen Körper auf Betriebstemperatur zu bringen. Das Zeitfahren ist meine Lieblingsdisziplin, denn hier zählt nur deine eigene Leistung und nicht wie in den anderen Rennen eine gute Taktik und das Glück wenn dich jemand in seinem Windschatten mitzieht. Direkt nach dem Start ging es in einer schnellen Kurve fast 10 Höhenmeter bergab, hier konnte man sich Schwung für die zwei nächsten Anstiege holen. Ich gab mein Bestes, denn den 10.Platz in der Gesamtwertung wollte ich schon behalten. Nach dem zweiten Anstieg um mehr als 20 Höhenmeter kam eine lange Passage mit etwas Gefälle, hier konnte ich die Geschwindigkeit zwischen 35 und 41 km/h halten. Mein Ziel war eine Zielzeit von knapp unter 30 Minuten zu erreichen, so wie es bisher lief stand dem nicht im Wege. Bei einer Zeit von 11 Minuten und 45 Sekunden kam es jedoch durch eine kleine Bodenwelle anders als es kommen sollte. Die Bodenwelle hebelte mich bei einer Geschwindigkeit von 36 km/h aus und ich verlor mit dem rechten Hinterrad den Bodenkontakt. Zum Gegenlenken war leider kein Platz mehr, ich kippte mit meinem Bike auf die Seite und rutschte ein paar Meter über den Asphalt bis ich an einem hohen Bordstein mit der linken Schulter gestoppt wurde. Ich dachte sofort -aufgeben gibt es nicht- kam jedoch aus eigener Kraft nicht mit den Füßen aus dem Bike. Die herangeeilten Zuschauer wollten sofort helfen und jeder packte an und zog in eine andere Richtung. Wenn da doch nicht die sprachliche Barriere gewesen wäre, hätte ich kleine Hinweise geben können. So versuchte ich es mit Gesten und Zeichen und siehe da einer stellte mein Bike auf und 2 andere setzten mich wieder ins Bike. Nun konnte ich unter dem Beifall der restlichen Zuschauer und Streckenposten weiter fahren, ich hatte keine Zeit über Schmerzen oder sonstiges nachzudenken. Jetzt hieß es, zu versuchen die verlorene Zeit, wieder einzuholen und mich noch mehr an mein Maximum ranzutasten, ohne dass mir bei der noch zu überwindenden Steigung die Puste ausgeht. Am Ende stand 31:34.13 auf der Uhr und es reichte leider nur zum 19.Platz. Nach der Auswertung meiner Pulsuhr ergab sich eine reine Standzeit von 44 Sekunden, plus die Zeit die man durch einen Sturz bei der Konzentration verliert. Im Ziel angekommen versuchte man einem Sanitäter zu besorgen, leider ohne Erfolg. Also machte ich mich auf den Weg zum Parkplatz und versuchte dort mein Glück. Christian Peter konnte seinen Einfluss nutzen und innerhalb kürzester Zeit kümmerten sich zwei Sanitäter um mich. Die Schürfwunden am Ellenbogen und am Knie wurden mit Wundspray behandelt für die Versorgung der 3 tiefen Wunden an meiner linken Hand müsse ich sofort in die Klinik, erklärten mir die Sanitäter. Also rein in den Krankenwagen, mein Rollstuhl durfte leider nicht mit, Sirene an und mit Vollgas ins Krankenhaus. Der Fahrer und seine Kollegin hatten wohl einen riesigen Spaß bei der Fahrt mit Blaulicht und Sirene, als ich das Gebäude des Krankenhauses erahnte war mein Spaß vorbei. Wie im Film wo es sich um den Organhandel dreht, eine verlassene Klinik ohne jegliches Leben. Schon die lange Einfahrt war so holprig dass ich von dem mir zugewiesenen Stuhl ohne die Möglichkeit sich irgendwo festzuhalten einfach runter fiel. Am Eingang machte sich ein Sanitäter auf die Suche nach einem Rollstuhl und kam nach geschätzten 10 Minuten zurück, dabei ein Rollstuhl mit nur einer Fußablage, einem platten Rad und dafür aber jede Menge Dreck. Jetzt ginge es durch ewig lange und menschenleere Flure, mit teilweise offenen Türen mit Blick in leere Räume. Irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl in der Magengegend als wir am Ende des Flures vor einer verschlossenen Tür stehen blieben, aber immerhin saßen hier zwei weitere Personen und warteten wohl auf das was da noch kommt. Nach ca. 10 Minuten kam ein junger Mann mit einer Rolltrage mit Metallabdeckung und für damit in den Behandlungsraum und einer meiner beiden Begleiter meinte kurz und knapp nur –EXITUS-. Nachdem der Exitus weggefahren wurde und die zwei warteten Personen eine Tüte mit Bekleidung, einen Gehstock und zwei Sandalen ohne nennenswerte Regung überreicht bekamen, war ich an der Reihe.
Hinter der Tür warteten ein Pfleger eine Pflegerin und ein deutschsprachiger Arzt auf mich. Der Arzt schaute sich meine Wunden an und erklärte mir die Vorgehensweise. Alles desinfizieren, Betäubung, Haut wegschneiden, Wunden säubern, offen liegende Sehnen kontrollieren und alles wieder zu nähen stand jetzt auf dem Programm. Soweit so gut, bis auf die vergessene Betäubung des kleinen Fingers verlief alles recht reibungslos. Als Nachsorge wurde mir empfohlen dass ich die beschädigte Sehne des kleinen Fingers in Deutschland kontrollieren lasse und 2-3 Wochen die Hand zu schonen um eine gute Heilung zu gewährleisten. Schnell noch 3,40 Euro gezahlt und meine Begleitung bringt mich per Krankenwagen zurück ins Fahrerlager. Mit der Kontrolle war ich einverstanden aber dass mit der Schonung für 2-3 Wochen musste ich auf morgen verschieben, denn das Criterium stand um 18 Uhr noch auf meinem Plan.
Bei der Kontrolle meines Bikes stellte ich fest dass die Außenhülle meines Schaltzuges gebrochen, meine Bauchgurt gerissen war und der Rahmen zwei Schürfwunden hatte. Den Zug tauschte ich aus, der Bauchgurt wurde durch einen neuen ersetzt und die Abschürfungen waren nur optische Mängel. Die meisten erklärten mich für verrückt aber ich setzte mich um 17 Uhr ins Bike um mich für das Criterium um 18 Uhr warm zu fahren. Meine verletzte Hand hatte ich zuvor von 2 Sanitätern neu verbinden lassen und hatte mir 2 Einweghandschuhe als zusätzlichen Schutz übergezogen. Der Start verlief gut und nun hieß es so viele Runden wie möglich auf dem 2 km langen Rundkurs innerhalb einer Stunde zu drehen. Nach jeder Runde merkte ich die Schmerzen in der verletzten Hand mehr, die Wirkung der Betäubung hatte schon eine Stunde nach der Behandlung nachgelassen. Die Einmalhandschuhe ließen meine Hand schwitzen und ich hatte nicht mehr den festen Griff und rutschte ab und an einfach ab. Ich konnte das Rennen auf einem enttäuschenden 20.Platz beenden, aber als kleiner Trost blieb mir meine Verletzung und immerhin war hier die Elite von Athleten aus 19 Nationen am Start.
Als Zugabe habe ich einen neuen Spitznamen - Quax!!! der Bruchpilot und ein Freund schickte mir bereits eine neue Erkenntnis. Wunden heilen – Bikerahmen nicht.
Vielen Dank und Louny ist und bleibt eine Reise wert.
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