EHC - Grafendorf Österreich 2010

Ich war mir nicht ganz schlüssig ob ich eine Anreise von fast 1000 km auf mich nehmen sollte um in Grafendorf - Österreich beim Einzelzeitfahren und beim Road Race der EHC-Serie teilzunehmen. Mein Freund Jörg war mit dabei du so verabredeten wir uns um gemeinsam die Strecke zu fahren. Nach unendlichen Kilometern kamen wir im von mir gebuchten Hotel an und checkten ein, packten unsere Klamotten aufs Zimmer, zogen uns um und fuhren zu den beiden Strecken dir wir am Freitag und Samstag bewältigen mussten. Schon auf der 13 km langen Strecke merkte ich was ich mir damit angetan hatte hier anzureisen. Zuerst ginge es leicht bergauf und nach einer scharfen Linkskurve bergab. Nach 6,5 km kam eine 180° Wende und ich musste die Steigung wieder hoch. Gar nicht so einfach, 180 Höhenmeter auf 13 km, wenn man kein Idealgewicht oder sogar weniger vorweisen kann. Eigentlich ist das Einzelzeitfahren meine Lieblingsdisziplin, aber bitte nicht auf diesem Kurs. Wir rechneten mit einer Zeit von 11 Minuten für die Abfahrt und 14 Minuten für die zweite Hälfte. Wir hatten noch nicht genug und so testeten wir auch noch den 4, 4 km langen Rundkurs des Road Race am Samstag. Nach einer kleinen Abfahrt ging es scharf nach links und ich dachte mir dass ich keinen Bock hatte 13-mal da rauf zu fahren. Oben angekommen scharf nach rechts und eine schnelle Abfahrt wieder runter. Um die Kurven mit voll Speed zu fahren brauchte man schon ein wenig Mut, danach kam eine rechts-links Kombination gefolgt von einer langen Geraden mit einer 90° Kurve. Für mich entsteht nicht so der richtige Rundlauf der Kurbel, immer wieder schalten und versuchen die richtige Linie in den Kurven zu finden. Nach der 90° Kurve folgt ein kleiner Anstieg und es geht durch den Kreisel rechts weiter zum U-Turn eine 180° Wende und zurück durch den Kreisel. Jetzt noch zweimal rechts herum und durch den Zielbogen. Die Runde war geschafft und ich wusste auf diesen beiden Strecken kann ich nicht mithalten. Die Steigungen mit meinem Handicap der linken Körperhälfte ist einfach eine zu Harte Prüfung und ich musste mehrmals überlegen ob ich wirklich starten sollte. Aber wer mich kennt, weiß dass ich nicht kneife und doch starte.

Zurück in unsere Luxus Suite zum Duschen bzw. baden im großen Whirlpool. Jörg war als erster an der Reihe und zog den Whirlpool vor, testet ihn aber nicht. Das blieb mir vorbehalten und ich musste alle Knöpfe ausprobieren. Der eine machte das Radio an, der andere lies Luft aus den Bodendüsen sprudeln, der nächste machte einen kleinen Wasserfall und der letzte schoss aus zwei Düsen das Wasser mit so einem Druck das das Bad innerhalb von nur 2 Sekunden ziemlich nass war. Jetzt war meine Spielsucht befriedigt und ich versuchte alles wieder aus zu machen, dabei kam ich wiederholt auf den Knopf für die 2 Düsen und auch mein Rollstuhl hatte jetzt geduscht. Für die nächsten Tage hatte ich mir vorgenommen doch besser die Duschkabine zu benutzen. Frisch gesäubert machten wir uns auf den Weg noch eine Kleinigkeit zu essen, in unserem Hotel gab es leider nur Spezialitäten zu Preisen die wir nicht bereit waren auszugeben. Nach dem Essen gingen wir früh zu Bett von unseren Strapazen zu erholen und für den nächsten Tag fit zu sein. Am Morgen ausgiebig gefrühstückt ging es zum Start um die Startunterlagen zu holen. Kurz die UCI-Radsportlzenz vorgezeigt und die Startnummer mit Chip im Gegenzug erhalten. Bis zum Start nutzen wir die Zeit zum Faulenzen im Hotel und philosophierten über die Möglichkeiten dieser Luxus Suite. Bei zwei Männern kommt da eine Menge Unsinn zusammen, könnt ihr mir glauben.

Vor dem Rennen fand noch die technische Abnahme durch einen UCI-Kommissare statt, an meinem Bike war nichts zu beanstanden und so konnte ich mich gemeinsam mit Jörg warm fahren. Wir wählten die Strecke vom Einzelzeitfahren aus, um sie uns in Gedächtnis zu rufen und eine ungefähre Geschwindigkeit für die Abfahrt in den Kurven zu testen. Das Wetter spielte mit, es war zwar drückend aber wenigstens trocken. Circa 2 km bevor wir wieder an Start und Ziel waren ließ die eine schwarze Wolke am Himmel ihr ganzen Wasser raus und ich war wieder einmal schon vor dem Start durch und durch nass. 16:19 Uhr meine Startzeit rückte immer näher und meine Aufregung wegen der für mich schweren Strecke stieg. Die Moderatorin verkürzte die Wartezeit indem sie jeden Fahrer vorstellte und meist noch etwas über ihn erzählte. Und wieder hieß es 5, 4, 3, 2, 1 und GO, ich kam gut weg und mein Tritt lief rund. In der ersten scharfen Linkskurve nahm ich an Geschwindigkeit raus um nicht nach rechts von der Strasse abzukommen und die Böschung herunterzurollen. Danach galt es wieder alles zu geben um Tempo aufzunehmen und die Geschwindigkeit mitzunehmen. In einigen Kurven nahm ich raus um nicht auf der rutschigen Strasse einen Ausritt zu machen. Nach ziemlich genau 11 Minuten wendete ich auf der Hälfte der Strecke. Leider überholte mich hier schon der erste Fahrer der 1 Minute hinter mir gestartet war. Also war ich zu langsam, ich versuchte ihn im Blick zu halten und nicht noch weitere Meter zu verlieren. Gar nicht so einfach immer wieder kleine Rampen hoch und die wurden jedes Mal steiler. Ich gab alles was ich konnte aber irgendwie verlor ich weitere Meter und ich wusste die Zeit reicht nicht für eine gute Platzierung. Auf der letzten Rampe dachte ich daran einfach aufzuhören, doch irgendetwas trieb  mich weiter. Beim überfahren der Ziellinie blieb die Uhr bei 26:43,25 stehen, leider fast 2 Minuten zu langsam und es reichte nur für Platz 22. Mein Teamkollege Markolf war fast 45 Sekunden schneller als ich und konnte den 19.Platz belegen.

Das Bike war leider ein wenig schmutzig geworden und so musste ich wie alle anderen mich ans putzen geben. Danach ging es zum Säubern von mir selbst ins Hotel und heute zog ich die Duschkabine ohne Wasserspiel vor. Anschließend schnell wieder zur Siegerehrung und zum Nudeln essen zurück zur Rennstrecke. Hier trafen wir uns noch mit meinem Teamkollegen Markolf, der seinen Sieg genoss, mit seiner Frau Brigitte. Brigitte versorgte uns mit Essen und Trinken, welches zahlreich angeboten wurde.  Irgendwie war die Luft raus und nach ein wenig Smalltalk machten Jörg und ich uns auf in unser Hotel. Der Tag hatte doch geschlaucht und so legten wir uns früh ins Bett, schauten noch ein wenig fern und schliefen dann ein.Der nächste Morgen begann wieder mit ausgiebigem Frühstück und danach wieder Ruhe bis wir uns gegen 13 Uhr auf den Weg zur Rennstrecke machten. Bike aufbauen, noch ein wenig mit anderen Athleten sprechen und sich ins Bike setzen zum warm fahren. Die Rennstrecke war wegen Läufen der Kinder im Zielbereich noch gesperrt so suchte ich mir erst einmal eine andere Möglichkeit meine Muskulatur auf Betriebstemperatur zu bringen. Nach einem kurzen Ausritt abseits der Strecke durften wir den Rundkurs nun befahren. Zweimal tat ich mir das an um zu sehen wo ich mich schonen muss und wo ich Gas geben kann. Bei den Temperaturen am Rennsamstag und der Tatsache dass einem die Sonne in jeder Runde beim Aufstieg genau ins Gesicht knallte, machte das Rennen nicht attraktiver. Bei diesem Rennen gab es einen Vorstart, aus dieser Versammlung wurde jeder Athlet mit Starnummer und Namen in die Startaufstellung gerufen. Markolf und ich starteten direkt nebeneinander und auch bei dieser Methode gibt es immer wieder Athleten die andere auf dem kurzen Weg überholen, nur um ein paar Plätze gut zu machen. Markolf und ich staunten nicht schlecht als der hinter uns aufgerufene Athlet zügig an uns vorbeifuhr, um eine Startreihe vor uns zu starten. Ich denke die Veranstalter machen sich so viele Mühe und jeder Athlet sollte dafür Respekt zeigen und wenn er es nicht kann sollte er sofort disqualifiziert werden. Ich möchte hier keinen Namen nennen, denn die betroffene Person fühlt sich bestimmt angesprochen wenn er es hier liest, denn es ist keine Einzeltat. Das Rennen wurde in verschiedenen Blöcken gestartet und wir bekamen noch die Mitteilung dass der Sieger das Rennen für alle beim nächsten Überqueren der Ziellinie beendet. Eigentlich ganz gut so hatte ich mindestens 2 Runden gespart, denn hier waren die schnellsten der Welt am Start.. Zuerst die schnellen Kniebiker, danach MH3 und MH2 und zum Schluss die Frauen und Männer der Klassen  MH1. Pünktlich wurde mein Klasse MH2 ins Rennen geschickt, mein Start verlief einigermaßen gut und ich konnte einer ausgesuchten Gruppe folgen. Doch schon der erste Anstieg zeigte mir dass ich den Jungs hier hoch nicht folgen konnte und schnell war mir klar, dass es heute ein erneutes Einzelzeitfahren für mich gibt. Ich hatte noch 3 Verfolger hinter mir, die ich aber am Ende der Steigung schon los war. Ich hatte das Gefühl dass mir meine Schultern gleich auseinander reißen und so schonte ich mich bei der Abfahrt. Schon in der zweite Runde war ich zu schnell in einer Kurve und mein Bike hob ein rad in die Luft. Bei meinem Gleichgewichtssinn rutscht mir jedes Mal das Herz in die Hose und so ging ich die Kurven mit etwas mehr Konzentration und ein bisschen langsamer an, denn ich hatte mir schon vorgenommen das Rennen ohne Blessuren zu beenden. Denn schließlich hatte ich ja von Duisburg noch eine Verletzung die gerade verheilte. In jeder Runde viel mir die Steigung schwerer, doch ich hatte Zuschauer wie Ingrid, Anette oder auch Brigitte die mich immer wieder antrieben. Aber ich war froh wenn bei jeder Zieldurchfahrt ein Schild gezeigt wurde wo die Rundenzahl immer kleiner wurde. So hatte ich meine letzte Runde früher als erwartet, denn der Sieger Lukas Weber konnte eine so hohe Geschwindigkeit vorlegen dass er mich 3 mal überholte und so war mein Rennen nach 10 Runden zu Ende. Ich war ehrlich gesagt froh und dass ich nur den 16. Platz erreichte ging völlig in Ordnung. Sogar mein Teamkollege Markolf das Leichtgewicht konnte mich ein Mal überrunden.
Fazit: In der Gesamtwertung belegte ich in Grafendorf den 15.Platz und sollte damit zufrieden sein. Ein besonderes Lob geht an die Organisatoren, die in Grafendorf ein so tolles EHC Rennen auf die Beine gestellt haben, dass es sich lohnen wird auch im nächsten Jahr dabei zu sein. Jedoch stellt sich ein Problem, entweder sollte die Strecke geändert werden oder ich müsste mit Hilfsmotor starten.


Fotos EHC - Grafendorf 2010