EHC Rennen Louny Tschechische Republik 2010

Aufgrund meiner Erfahrungen beim Rennen im letzten Jahr, der anschließenden Versorgung in der Klinik von Louny und den darauf folgenden Schmerzen hatte ich eigentlich in diesem Jahr keinen Bock auf eine Reise in die Tschechei.
Aber wie schnell ändert man seine Meinung, am letzten Tag der Anmeldefrist schnell noch gemeldet und ein Hotelzimmer bei meinen Vereinkameraden besorgt.
Wie schon so oft in dieser Saison reiste ich zusammen mit Jörg schon am Vortag an. Die Autofahrt verlief ohne Komplikationen und so konnten wir schon in der Mittagszeit im Hotel einchecken. Nach dem Umziehen fuhren wir in das 20 km entfernte Louny um uns die Stertunterlagen zu holen und die beiden Rennstrecken natürlich nochmals abzufahren. Es hatte sich nichts geändert, beide Strecken waren gleich denen vom letzten Jahr und auch die Bodenwelle, die mit für meinen Sturz beim Einzelzeitfahren verantwortlich war, gab es auch noch. Der Straßenbelag auf dem Rundkurs für das Kriterium hatte sich noch weiter verschlechtert und die Schlaglöcher hatten sich in einem Jahr ganz schön vermehrt. Nach unserer Testfahrt fuhren wir zurück ins Hotel zum duschen und anschließendem Abendessen. Meine Teamkollegen waren in Louny geblieben und aßen dort zu Abend. Mich hatte der Tag, die lange Autofahrt und die Hitze ganz schön geschlaucht und so ging ich früh zu Bett und versuchte trotz der 30°C zu schlafen. Für 7 Uhr hatten wir uns alle zum gemeinsamen Frühstück verabredet um anschließend nach Louny zu fahren. Der erste Start im Zeitfahren fand schon um 10 Uhr statt, meine Startzeit war 10:38 Uhr und ich ging kurz nach 10 Uhr ins Bike um meine Muskeln aufzuwärmen. Immerhin hatten wir schon fast 30°C und Spaß bereitete es mir keinen. Hinter mir starteten meine Teamkollegen Hans-Albert und Markolf, leider keine gute Ausgangsposition für mich aber da musste ich jetzt durch. In der Startaufstellung wurden noch alle Bikes der Athleten kontrolliert, denn auch hier ging es streng nach den UCI Vorschriften. Am Startbogen wurde mein Name angezeigt und mir blieben noch 30 Sekunden, meine Anspannung spürte ich deutlich. Bei 5 begann der Starter runterzuzählen, 4, 3, 2, 1 und GO. Schon nach ein paar Metern kam eine Kurve und ich weiß bis heute nicht wie man sie richtig anfahren kann um sie mit hohem Tempo zu durchfahren. Danach versuchte ich mein Tempo zu forcieren um für den folgenden kleinen Anstieg ein wenig Schwung mitzunehmen. Schon nach der Kuppe sah ich den vor mir gestarteten Franzosen und ich wusste er kam wohl bei Temperaturen vom nun über 30 °C noch schlechter zu Recht als ich. Ich konnte zügig an ihm vorbei ziehen und versuchte mich völlig auf die Strecke zu konzentrieren, ich wollte keinen Fahrfehler machen der mich wieder Zeit kostete oder schlimmeres. Nach ca. 6 Kilometern hatten die Veranstalter eine Dusche mittels Gartenschlauch aufgestellt, jeder vorbei fahrende wurde mittels Wasserstrahl abgespritzt. Ganz schön kalt war das Wasser und der Effekt war nach ein paar Metern schon wieder weg. Bei Kilometer 7 galt es meine Unfallkurve vom letzten Jahr zu durchfahren, ich drosselte mein Tempo auf unter 25 km/h, so konnte ich sichergehen dass mir nichts passierte. Jetzt noch 3 90° Kurven und es ging auf der Gegenfahrbahn zurück ins Ziel. Jetzt kamen mir schon meine beiden Teamkameraden entgegen und ich wusste dass beide schon eine Menge Zeit gutgemacht hatten. Ich musste alles geben und versuchen auf den Steigungen die Wattzahl zu erhöhen um nicht von beiden überholt zu werden. Immer den Rückspiegel im Auge und den Abstand halten. Zurück hatte die Strecke über 50 Höhenmeter und hier hatten meine Verfolger klare Vorteile. Meine Zielzeit war 27 Sekunden unter der 30 Minuten Marke und es rechte für Platz 18, direkt hinter mir mein Teamkollege Hans-Albert den ich knapp geschlagen hatte. Markolf hatte alles gegeben und mich wie schon im letzten Rennen in Grafendorf geschlagen, ich gönne es ihm denn er ist in dieser Saison ganz klar der bessere Athlet. Völlig durchgeschwitzt hatte uns Markolf angeboten bei ihm im Hotel zu duschen, denn bis zu unserem Hotel zu fahren war uninteressant den die Umgehungsstrasse war wie schon im letzten Jahr immer noch eine Baustelle. Das Thermometer zeigte jetzt 35 °C und ich ließ vorsichtshalber aus den Reifen meines Bike sein wenig die Luft raus, damit sie nicht im geschlossnen Auto so weit aufheizen dass sie platzen. Es war keine einzige Wolke am Himmel und schon kurz nach der kalten Dusche begann ich wieder zu schwitzen. Was sollte man bis 18 Uhr machen, denn erst dann startete unser zweites Rennen das Kriterium. Hier galt es auf einem Rundkurs von 2,2 km Länge eine Stunde lang seine Runden zu drehen und nach Ablauf der Stunde noch eine weitere Runde zu fahren. Zum Abkühlen rollte ich hin und wieder durch den benachbarten Supermarkt, denn hier gab es eine gut funktionierende Klimaanlage. Es war ganz schön langweilig und jeder stöhnte über die anhaltende Hitze, aber alle die nicht ein Hotel in Louny hatten mussten hier durch. Mit den einzigen Schatten gab es bei Andreas Kiemes, denn er hatte die Markise an seinem Wohnmobil ausgerollt. Gleichzeitig hielt er uns ab 16 Uhr auf dem neusten Stand beim Fußballspiel zwischen Deutschland und Argentinien. Schon in der ersten Halbzeit hieß es 2:0 für die Deutschen und ich scherzte dass es diesmal ein 4:0 gibt und ich das Kriterium gewinnen werde. Gegen 5 Uhr setzte ich mich in mein Bike und sucht eine Strecke auf der wir uns warm fahren konnten. Leider war das meiste abgesperrt, denn das 50 Minuten Rennen für die Klassen H 1 und die der Frauen war schon gestartet. Immer wieder zwischen den Autos und ihren Abgasen durch war bei dieser Hitze kein Zucker schlecken. Um 17:45 Uhr wurden wir für die Startaufstellung aufgerufen, erst die Klasse H3 und dahinter meine Klasse H2, denn wir starteten in einem Abstand von 30 Sekunden. Schon beim Startschuss kam ich nicht in die Gänge, ich verlor sehr schnell die ersten Meter und konnte dem Feld nicht folgen. Ich hatte keine Kraft und meine Trittfrequenz war viel zu langsam, ich versuchte mich wieder ranzukämpfen aber irgendwie fehlte mir der richtige Biss. Bei jeder Zieldurchfahrt dachte ich mir warum tust du dir das an. Fahr einfach rechts raus und schau den anderen Athleten beim Rennen zu. Doch da waren Zuschauer die meinen Namen riefen und mich anspornten weiter zu machen. Ich kämpfte mich wieder ran und verlor die gewonnenen Meter gleich wieder in der Kurve vor Start und Ziel und in der Abfahrt nach Start und Ziel durch meine Lieblingskurve, irgendwie hatte ich nicht die richtige Linie in beiden Kurven und musste bei jeder Durchfahrt Geschwindigkeit rausnehmen. In Runde sieben konnte ich einige Plätze gut machen und diese auch weiter verteidigen. Bis zum Ende des Rennens kämpfte ich mich auf Platz 20 vor und musste mit diesem Resultat zufrieden sein, es war einfach nicht mehr möglich.

Fazit: Eine perfekt organisierte Veranstaltung mit 110 Athleten aus 19 Nationen, einzig die Temperaturen hätten ein wenig kühler sein dürfen, aber in diesem Jahr gibt es nur Regenrennen oder Hitzerennen und da sind uns die Hitzerennen lieber.  

Vielen Dank an Louny und die Veranstalter.


Fotos EHC - Louny 2010