HCT - Duisburg Marathon 2010
Der Marathon in Duisburg stand unter keinem guten Stern, laut Wettervorhersage sollte es das dritte Regenrennen in Folge werden. Da der Start schon um 8 Uhr am Sonntag stattfinden sollte und ich keinen Bock hatte mitten in der Nacht aufzustehen reiste ich schon am Vortag an. So konnte ich die Startunterlagen für mich und einige andere Athleten in aller Ruhe abholen. An der Ausgabe saß Arno Becker den ich auch schon lange nicht mehr gesehen hatte und so blieb auch noch die Zeit zum Quatschen über dies und das. Er berichtete unter anderem auch darüber dass es den Organisatoren der HCT aufgefallen sei, dass sich immer weniger der Athleten an die vorgegebene Startaufstellung hielten und dass in Zukunft ein wenig härter durchgegriffen werden soll. Ich machte mich gegen 18:30 auf den Weg ins Hotel da ich bis 19 Uhr eingecheckt haben musste. Am Abend richtete ich mein Bike für den nächsten Tag, besorgte mir noch eine Kleinigkeit zu essen und legte mich recht früh ins Bett. Um 23 Uhr zeigte RTL noch den Klitschko Kampf, hierbei fielen mir jedoch die Augen immer mal wieder zu. Pünktlich zur Siegerehrung gingen sie für einen kurzen Moment mal auf. Um 5 Uhr holte mich mein Wecker aus dem Schlaf und ich konnte gleich weiter fernsehen, dass hatte ich am Abend aufgrund von der starken Müdigkeit nicht ausmachen können. Jetzt erfuhr ich auch das Klitschko den Kampf durch K.O. gewonnen hatte. Um kurz vor 6 Uhr machte ich mich auf den Weg zum Duisburger Sportpark um die Startunterlagen zu verteilen. Von dem starken Regen in der Nacht waren noch einige Pfützen auf der Strasse, doch es hatte wenigstens aufgehört zu regnen und so hatte wir doch noch die Chance auf einen trockenen Rennverlauf. Die Unterlagen waren schnell verteilt, doch niemand war um diese Uhrzeit so richtig motiviert. Nachdem der Erste sein Bike aus dem Auto geholt hatte zogen andere nach und auch mir blieb nicht anderes übrig, denn in einer Stunde sollte der Start erfolgen. Die letzte Motivation bekam ich noch von jemand der sich mein Bike anschaute und mir jeden noch so kleinen Schnitt an den Reifen zeigte. Aber man kann sich ja nicht vor jedem Rennen einen kompletten Satz neuer Reifen aufziehen und so machte ich mir weiter keine Gedanken. Kurz nach sieben legte ich mich in mein Bike um mich und meine Muskulatur aufzuwecken indem ich bei ein paar kleinen Runden auf der Strecke meinen Puls in Wallungen brachte. Der Wettergott hatte ein Herz für die Hanbiker, mit 14°C und abtrocknenden Strassen erhielten wir gute Bedingungen. Kurz vor Acht ging es in die Startaufstellung, wenn man den wild gewürfelten Haufen so nennen kann. Ich hatte in meiner Reihe einen Platz rechts außen, doch schon bald stand jemand neben mir, der eigentlich zwei Reihen weiter hinten stehen sollte. Wenn das Organisationsteam 4 Athleten in eine Reihe stellen hat es bestimmt einen Grund und es sollte sich jeder Teilnehmer daran halten. Um 8 Uhr bekamen wir mitgeteilt dass sich unser Start aufgrund von einem Verkehrunfall auf der Strecke verzögert. Da bei dem Unfall wohl die ganze Fahrbahn mit Glasscherben bedeckt war musste der Start aus Sicherheitsgründen und der anhaltenden Aufräumarbeiten noch weiter nach hinten geschoben werden Nach ca. 30 Minuten Verzögerung war es endlich so weit, 3, 2, 1 und los. Bei der Durchfahrt durch den Startbogen war klar warum nur 4 Starter nebeneinander stehen sollten, es war definitiv kein Platz für mehr. Doch mein Nachbar sah keinen Grund zurückzuziehen und rasierte mir an meinen rechten Unterarm die Haare und auch gleich noch die Haut mit, wie sich später herausstellte. Eigentlich hatte ich da schon keinen Bock mehr weiterzufahren, aber zum Jammern blieb jetzt keine Zeit. Die Meute zog mit Volldampf los und Freddy der aus einer der letzten Reihe gestartet war legte noch eins drauf und zog fast an allen mit einem Lächeln im Gesicht vorbei - unglaublich aber wahr. Sein hartes Training mit der Truppe Radfahrer und die Anschaffung eines neuen Bikes hatten sich gelohnt. Ich kam gut weg und bis Kilometer 2,5 verlief alles recht gut. Der Anführer der Verfolgergruppe bog rechts ab und ein Teil der Athleten folgten, ich war auch dabei ohne zu merken dass wir die Rennstrecke verlassen hatten. Zum einfachen Wenden war die Strasse nicht breit genug, also vor und zurück so lange bis ich endlich rum war. Zusammen mit Jörg Reinmuth machten ich mich auf die verlorene Zeit gut zumachen, nicht ganz einfach denn der Rest der Gruppe hatte es früh genug gemerkt und fuhren ihr Tempo weiter. Nach 6 oder 7 Kilometer war es endlich geschafft, wir hatten den Fehler gut gemacht. Die Aufholjagd hatte viel Kraft gekostet und nun fing es auch noch an stärker zu regnen. Die Sichtverhältnisse wurden so schlecht dass ich bei der Brückenabfahrt auf Kilometer 18 meine Radbrille verstauen musste. Das Fahren in der Gruppe konnte man mit einer kostenlose Dampfstrahler Reinigung vergleichen, nur das im Wasser noch eine Menge Sand und Dreck enthalten war. Echt eine unangenehme Sache, glaubt es mir. Die Zusammenarbeit der nur noch 6-köpfigen Gruppe funktionierte einwandfrei und jeder versuchte sein Bestes zu geben. Auf den letzten Kilometer wurde die Strecke durch viele engen Kurven und die vielen Straßenbahnschienen teilweise sehr gefährlich und um sicher ins Ziel zu kommen gingen alle die Sache etwas vorsichtiger an. Die Einfahrt ins Stadion war in diesem Jahr besser gesichert und niemand konnte sie verpassen. Bei der Zieldurchfahrt stand eine Zeit von 1:25:25 auf meiner Uhr und ich erreichte den 13.Platz meiner Wertungsgruppe.
Fazit: Zufriedenstellende Leistung bei richtigem Sauwetter, das Säubern des Bikes wird mehr Zeit in Anspruch nehmen als den Marathon erneut zu fahren. Und ein letzter Wunsch – bitte kein Regenrennen in dieser Saison mehr. Als Letztes möchte ich noch Freddy zu seinem 3 Platz gratulieren und hoffe er wird noch öfter zeigen was wirklich in ihm steckt.