Rollstuhlmarathon Heidelberg 2009

Es sollte für mich der Event 2009 werden - am Ende waren es nur 2 Sekunden und es blieb für mich eine bittere Enttäuschung.

Am Vortag angereist, schlecht geschlafen und einigermaßen nervös zum Parkplatz der Handbiker gefahren. Ich lag gut in der Zeit und baute in aller Ruhe mein Bike auf, schnell noch in der nahe gelegenen Klinik zur Toilette und kurz nach 9 Uhr ins Bike zum warm fahren. Die Aufwärmstrecke füllte sich recht schnell, immerhin waren hier in Heidelberg fast 135 Athleten und 13 Athletinnen am Start. Kurz nach 10 Uhr wurden wir in die Startaufstellung per Megafon eingereiht. Eigentlich verlief alles recht zivil, nicht wie vor 2 Jahren wo es ein wenig drunter und drüber ging. Wie vor jedem Rennen wurden einiger der Fahrer mit den hervorragenden Leistungen vorgestellt. Heute ging es um die Wurst, heute sollte die Stunde geknackt werden und dafür gab es einmalig 2500 Euro extra Preisgeld. Die Stimmung wurde mit Musik angeheizt und fast pünktlich um 10:35 fiel der Startschuss. Die Meute zog los, um die 22 Kilometer lange Strecke 2-mal zu umrunden. Für mich verlief der Start eigentlich recht gut, ich kam ohne nennenswerte Berührungen gut weg und auch die erste Linkskurve zur Brücke über den Neckar war gar nicht so eng wie ich sie in Erinnerung gehabt hatte. Das Feld teilte sich schnell und ich konnte für kurze Zeit noch an der zweiten Gruppe dran bleiben, doch auch diese Gruppe teilte sich auf. Ich versuchte noch mit Hilfe von Markolf Neuske, ein Teamkollege von Pro Activ, ran zu fahren doch der zog so stark an dass ich ihm leider nicht mehr folgen konnte. Unsere Gruppe war nur 5 oder 6 Fahrer stark, wir arbeiteten jedoch gut zusammen und konnten immer mal wieder Fahrer einholen und in unsere Gruppe aufnehmen. Die erste Runde verlief gut und wir konnten einen Schnitt von fast 35 km/h halten und jetzt kam mein Aus. Nach dem Überfahren der Brücke nach Start und Ziel verabschiedete sich mein linker Arm wie aus dem Nichts. Ich hatte keinen richtigen Halt mehr an der linken Kurbel und konnte auch keinen richtigen Druck mehr aufbauen. Es gestaltete sich schwierig eine gerade Linie zu fahren, da der rechte Arm viel mehr Kraft hatte und so auch meine Lenkung immer hin und her riss. Ich war stellenweise so langsam dass ich von einem Adaptivbiker sogar überholt wurde. Eigentlich wollte ich das Rennen beenden und mich von meiner Frau abholen lassen, doch irgendetwas trieb mich immer wieder an langsam weiter zu fahren. Meine Gedanken kreisten jetzt nur noch um meine Krankheit, sollte dieses Rennen, welches eigentlich der Event 2009 für mich werden sollte, jetzt das Aus meiner Handbike- Laufbahn sein. Sollte mich jetzt mein linker Arm genauso verlassen wie es mein linkes Bein 3 Jahre zuvor getan hat. Selbst jetzt beim schreiben kommen mir fast wieder die Tränen, wie beim Rennen am vergangenen Sonntag am Ufer des Neckars in Heidelberg. Aufgrund der Hitze verdunsteten meine Tränen und das Ziel kam, wenn auch langsam, immer näher. Von hinten kam schon die nächste Gruppe von Athleten die mich überholten und auch nur der Versuch mich dran zu hängen verlief erfolglos. Innerlich hatte ich schon alles aufgegeben und mir überlegt ob ich dann doch besser Briefmarken sammeln sollte, da gibt es auch mit nur einem Arm keinerlei Probleme. Auch der Jubel der fast 15000 Zuschauer gab mir keinen Auftrieb mehr beim überfahren der Ziellinie. Teilnahmslos nahm ich die Medaille entgegen und machte mich ohne überhaupt noch etwas zu registrieren auf den Weg zum Auto, um möglichst schnell vom Event 2009 wegzukommen. Heute ein Tag danach weiß ich immer noch nicht so richtig wie es weiter gehen soll. 28.Platz in meiner Wertung und nur 2 Sekunden schneller als 2007 - für mich eine bittere Enttäuschung. Für die meisten Athleten war es der Top Event 2009 und die Spitze hat die Stunde um nur 3 Sekunden verpasst, aber der Weltrekord wurde neu aufgestellt. MLP-Mitbegründer und Unterstützer des Rollimarathons Manfred Lautenschläger (als Nichtbehinderter mit einem Rolli-Rennbike selbst am Halbmarathon-Start) hatte für die magische Stundenmarke ein Sonder-Preisgeld von 2.500 € ausgeschrieben. Da dieses Ziel nur um drei Sekunden knapp verfehlt wurde, verdoppelte der 71jährige nach dem Rennen kurzerhand das Preisgeld und teilte es durch die fünfköpfige Spitzengruppe. Eine schöne Geste.

Eigentlich steht am nächsten Wochenende ein EHC-Rennen in Louny(Tschechische Republik), gefolgt von einer Woche Trainingslager in Elzach, auf dem Programm. Und danach wollte ich eine Woche in die Klinik um die Sommerpause mit etwas Ruhe zu beginnen. Warten wir es mal ab wie ich und mein Körper sich entscheiden und ob meine Krankheit diese Entscheidung annimmt.

Fotos Rollstuhlmarathon Heidelberg 2009